Welche Herausforderungen ein Urlaub mit kleinem Kind für alle Beteiligten mit sich bringt

Da es sich gerade anbietet, möchte ich heute davon berichten, wie es ist, mit einem Kleinkind auf Urlaub zu fahren.

Gerade die Kinderlosen unter Ihnen sollen es lesen, bitte. (Die mit Kindern kennen das alles sowieso.) Dann verstehen Sie uns nämlich vielleicht ein bisschen besser. Und wenn Ihnen im nächsten Urlaub ein Kleinkind-Elternpaar über den Weg läuft und Sie sich denken „Du meine Güte, was für Medikamente haben denn die bitte geschluckt?“, dann denken Sie an diesen Blog-Beitrag – und haben Sie Mitgefühl.

Danke.

Familienurlaub mit einer Dreieinhalbjährigen: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. (Not.)

Wir sind verwöhnt. Und fahren mit unserer Tochter auf Urlaub, schon seit sie noch im Bauch war. Unser liebstes Urlaubsziel dabei ist Kroatien. Kroatien ist familien- und speziell kinderfreundlich, das Meer ist herrlich, die Strände sind chillig, und es kostet zwar natürlich genug, aber als Autoreise von St. Pölten weg ist es immer noch eine billigere – und komfortable – Alternative zu allem anderen Vergleichbaren, wo Sonne, Strand und Palmen daheim sind.

Außerdem ist es sehr viel wert, alles (und ich meine: ALLES), was nötig ist, um unbeschadet zehn Tage mit Kind zu verbringen, wüst in den Kofferraum des Familien-Kombis zu werfen – und die Fahrzeiten selbst bestimmen zu können. In der Selbstversorger-Unterkunft warten dann all die wichtigen Ausstattungen, ohne die man ohne Baby bzw. Kleinkind zwar leben könnte, aber partout nicht will: WLAN, Waschmaschine, Weinregal, danke.

Wir verwenden darum jedes Jahr viel Zeit darauf, eine jeweils altersgerechte Unterkunft zu finden – altersgerecht für alle Beteiligten, sprich: nicht zu viele Stufen am Gelände, keine stark befahrenen Straßen oder – leider – überfüllten Bars in unmittelbarer Nähe und, besonders wichtig: Auch nicht allzu weit weg vom Schuss.

Weil, stellen Sie sich das mal vor: Das Kind schläft endlich, und dann kommen Sie drauf, dass kein Bier mehr da ist – und die nächste Tankstelle 35 Kilometer entfernt. Da wäre dann mal Feuer am Dach.

Im Prinzip ist es so, dass wir trotz aller Recherchen und Abklärungen im Vorfeld jedes Mal natürlich dann doch vor denselben Herausforderungen stehen, die jeder Selbstversorger-Urlaub abseits von Familienhotels und Thermen (man gebe mir den Gnadenstoß, sollte ich jemals freiwillig in so etwas fahren) mit sich bringt.

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Im Urlaub können sich die Kleinen endlich mal entspannen. Wir Eltern nicht so. Aber das ist ja auch nicht unser Job.©Althea Müller

Abenteuerurlaub ist: mit der kleinen Tochter nach Kroatien zu fahren

Einleitend muss ich anmerken, dass unser Trio relativ laissez-faire ist, was eigentlich fast alles betrifft. Somit ist es gar nicht schlimm, dass wir uns beim Weckerläuten zur geplanten Abfahrtszeit um 2 Uhr nur nuschelnd umdrehen, klarerweise komplett verschlafen und dann ganz und gar ungeplant untertags fahren müssen, wo viel mehr Verkehr – und Hitze – herrscht als nachts.

Die Hinfahrt verläuft trotzdem immer überraschend entspannt – weil unser Kind ein geeichtes Autofahrer-Kind ist, das gerne fährt und so gut wie nie sudert (und ich hoffe, ich habe es jetzt nicht verschrien und klopfe hiermit auf Holz)). Lediglich während dieses unerwarteten und unerfreulichen Hagelsturms im Stau auf slowenischem Boden hätte man ehrlicherweise mal kurz gebetet, wäre man gläubig gewesen. Sonst alles pipifein.

Aber sicher gelandet in der Ferienunterkunft unseres Herzens, das für Kroatien schlägt, beginnt in der Regel immer der Abenteuerurlaub.

Denn natürlich sind am Gelände der Unterkunft dann doch mehr Stiegen und Felsen (und vielleicht sogar Wasserläufe wie z.B. ein Fluss), als gedacht. Oder es gibt eine unartige Markise, die beim lauesten Lüftchen geradewegs in den Garten segelt.

Vorm Fenster des als Kinderzimmer auserkorenen Schlafzimmers wohnt unverhofft eine eineinhalb Meter lange Schlange, die so spannend ist, dass das Kind am liebsten nur noch bei der Schlange sitzen will. Auch abends. Dass die Schlange laut hysterischer Google-Recherche am mütterlichen Smartphone eine zwar harmlose, aber angeblich höchst aggressive Zornnatter ist, für die Angriff die beste Verteidigung ist, ist dem Kind vollkommen wurscht. Die Schlange ist wunderschön.

Das Töchterchen ist außerdem hochgradig allergisch gegen Moskitos, was sich in riesengroßen Gelsendippeln äußert, die das schönste Mädchen der Welt plötzlich wie ein wandelndes Riesenfeuchtplattern-Monsterchen aussehen lassen.

Dazu ist das WC garantiert nicht so, wie das grad erst seit ein paar Monaten windelfreie Kind es sich wünscht – weswegen fünf Diskussionen am Tag über Sinn und Unsinn bezüglich Lulli-Machens im Garten bei funktionierender Toilette vor Ort vorprogrammiert sind.

Und als plötzliche Lieblingsspeise vom ansonsten relativ ausgewogen essenden Sprößlings steht auf einmal nur noch „Pommes Fritzes mit Meio“ am Programm. (Und zum Frühstück bitte ein Eis.)

Das sind so die Dinge, die einfach nicht planbar sind. Theoretisch könnten wir uns jedes Jahr locker an die fünf Stunden Lebenszeit sparen an Urlaubsplanung, weil es vor Ort dann doch alles ein bisschen anders ist als gedacht oder gebucht.

Aber bitte: Was sollten wir mit diesen fünf Extra-Stunden? Schlafen vielleicht. Aber Schlaf, das ist gleich das nächste Thema.

zornnatter©altheamueller
Dank Google hatte ich schnell raus, dass es in Kroatien nur zwei giftige Schlangenarten gibt. Die, die bei uns im Garten wohnte, zählte nicht dazu.©Althea Müller

Warum ein kleines Kind im Urlaub garantiert nur rund die Hälfte des gewohnten Schlaf-Pensums braucht

Eltern wissen es eh schon längst. Es ist ein Mysterium, das unerklärlich ist, aber überall auf der Welt angeblich gleich:

An freien Tagen und speziell im Urlaub schlafen junge und alte Erwachsene gerne länger oder richtig lang. Bei Kindern ist es erwiesenermaßen das Gegenteil. Je jünger sie sind, desto weniger Schlaf brauchen sie an jenen Tagen, die theoretisch frei und daher zum Ausschlafen gedacht wären.

Unser Kind ist ein Parade-Beispiel dafür.

Ich persönlich visioniere in stillen, schwachen Momenten glückselig jene Jahre, in denen unser Mädchen ein Teenager ist und (hoffentlich) bis mittags in ihrer Schlafkoje rumkugelt. Bis dahin gilt, dass ich die Kleine an Kindergarten-Tagen fast immer mühsam, sehr liebevoll und achtsam und vor allem geduldig und zeitintensiv aufwecken muss. Sie ist fürchterlich müde, und meist (ja, ich gebe es zu) kommen wir grad mal so irgendwie zur eigentlichen Deadline von 8:30 Uhr im KiGa an.

An freien Tagen springt sie fröhlich und vergnügt zwischen 6 und 7 aus dem Bett.

Im Urlaub steht sie um 4 Uhr auf der Matte.

Kurz: Das Leben ist nicht fair.

Ein Ausweg ist, dass Partner*in 1 die Morgenschicht übernimmt (der früheste Fischmarkt öffnet bereits um 6 Uhr, das ist natürlich praktisch) und sich Partner*in 2 dann nachmittags in die Bresche schmeißt, während Partner*in 1 im Klimaanlagen-Wohnzimmer-Koma verbringt. Dazwischen schleppt man sich zu dritt an den Strand und achtet darauf, dass der jeweils andere Erwachsene nicht ersäuft (oder am Toi-Klo einschläft).

Grundsätzlich ist es aber natürlich rührend und wunderschön, dass sich das Kind so wohlfühlt und von solcher Abenteuerlust überwältigt ist, dass es den gesamten Urlaub lang tagtäglich so früh aus den Federn springt. Gesamt-Fazit: Irgendwas rennt verdammt richtig.

Als Ausgleich sind wir Eltern vielleicht mal ein bisschen blasser, fahriger und unentspannter, als andere Urlauber*innen. Eventuell rufen wir im Restaurant zweimal zu oft „Bitte lass das stehen, mein Zuckerschatz“, obwohl das Kind lediglich mit dem blöden Salzstreuer hantiert. Und vielleicht sind wir ein wenig egoistisch, wenn es um gute Schattenplätze, Parkplätze und eigentlich alle Plätze geht.

Aber, liebe kinderlose Urlauber*innen:

Sie wissen jetzt, wie wenig Schlaf unsereins bekommt und mit welchen Herausforderungen wir in den Ferien konfrontiert sind. Klar erscheinen wir Ihnen sicher unglaublich nervig. Vielleicht hassen Sie uns sogar.

Meine Bitte: Sehen Sie drüber hinweg. Genießen Sie doch bitte einfach – beneidenswert aus dem Ei gepellt und ab sofort auch noch wissend lächelnd – Ihren von Herzen vergönnten Cocktail um 2 Uhr nachmittags und Ihr verdientes Ausschlafen bis zum fünften Hahnen-Krähen.

Und überlassen Sie uns dafür verdammt noch mal diesen Scheiß-Parkplatz im Schatten.

Wir haben immerhin ein kleines Kind mit.

Kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein.

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Trotz meiner sarkastischen Bemerkungen weiß ich sehr wohl zu schätzen, dass wir mit unserer Kleinen jedes Jahr nach Kroatien fahren können – und will die gemeinsame Zeit am Meer nicht missen.©Althea Müller

Steine, Eidechsen und nette Nachbar*innen: Die Glücksmomente im Familienurlaub mit Kleinkind

Der letzte Punkt – ich bin nämlich jetzt gerade auf Urlaub und entsprechend müde – betrifft die schönen Seiten des Urlaubens mit Kind. Ich bin gerne sarkastisch, aber auf der anderen Seite weiß ich unser Glück sehr wohl zu schätzen, überhaupt Strand-Auszeiten mit der Familie verbringen zu können. Es ist purer Luxus – noch dazu, wo ich als Selbständige sogar in der Ferne das ein oder andere abarbeiten kann (wenn’s WIRKLICH pressiert).

Das Schönste am Urlaub mit unserem Kind ist die Freude, die es wirklich dran hat, mit uns zwei Alten auf Reisen zu gehen. Es ist schön, mit unserer Puppi auf einer Tankstellen-Raststätte zwei Kaffee und einen Kakao zu ordern. Es ist schön, mit ihr während der Fahrt über die vorbeiziehenden Landschaften zu reden. (Und über Hunde. Und über Drachen. Und über Ritter. Und über Saftpackerln, die es jetzt grad dringend bräuchte, die aber im Kofferraum sind und wir auf der Autobahn und deshalb … Blah-bluh-blih.)

Es ist besonders schön, ihr immer wieder verzücktes „Ich seh das Meer!“ zu hören, sobald sich das blaue Wasser in Sichtweite auftut. Es ist schön, mit ihr schwimmen zu gehen und sie dabei zu erleben, wie sie alles zum ersten Mal erlebt: das Salzwasser, die Krabben zwischen den Felsen, den schlimmen Buben, der brüllend eine Möwe jagt, den lieben Buben, der ihr zeigt, wie eine Sandburg gebaut wird, das komische kleine Mädchen, das ihr ständig nachläuft (und mir auch. Wo ist denn bitte ihre Mutter? Hilfe!).

Sonnenuntergang am Hafen. Ein Fischer, der neben ihr einen Fisch erschlägt und meinem Partner den lautgedachten Gedanken entlockt, dass sie jetzt eventuell ein Trauma für immer haben könnte. (So wie auch der Fisch, schätze ich mal.) Die Billig-Spielzeug-Buden und das Learning, dass man nicht jeden Tag dreizehn Millionen Plastikdinge kaufen kann/muss/darf/soll. Die Restaurants und Cafés mit den wirklich sehr kinder- und elternfreundlichen Kellner*innen. Postkarten-Schreiben-Malen und selbst ins Postkastl hauen. Pittoresken Eidechsen zuschauen, wie sie auf der Mauer ein Sonnenbad nehmen oder blitzschnell in den Steinen verschwinden. Gefleckte Straßenkatzen, die pittoreske Eidechsen fressen.

Und mit dem Papa Steine ins Wasser werfen, so, wie es die großen Kinder machen.

Und wenn man besonders viel Glück hat, hat die Unterkunft auch noch Nachbar*innen mit Sandkiste, zwei lieben Hunden und einem besonders süßen kleinen Töchterchen, das sich mit unserer Puppi blendend versteht.

Heute beim Schlafengehen nach Spielplatz-Markt-Hafen-Nachtspaziergang-Action hat unser kleines Mädchen keinen Gedanken mehr ans Tablet verschwendet, auf dem sie normalerweise fast immer ihre Gute-Nacht-Serie schaut. Zufrieden und müde ist sie mit uns ins Dunkel ihres kuscheligen Ferienzimmers hineingetaucht. Ihre letzte Frage, bevor sie glücklich weggeschnirchelt ist, war: „Was machen die Fledermäuse?“

Und ich konnte ihr wahrheitsgemäß antworten: „Die stehen jetzt auf und fliegen vor deinem Fenster hin und her, weil sie die ganze Nacht lang gut auf dich aufpassen.“

Das sind die Glücksmomente, die ich im Urlaub mit unserer Kleinen nicht missen möchte. Wie schön, dass wir sie erleben können.

Fotos: Althea Müller

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