Freelancen als einzelunternehmerisches Arbeitsmodell: Pro & Contra aus der Perspektive einer selbständigen Texterin

Selbst in Österreich lichtet sich ja gerade laaangsam der Nebel um die zahlreichen Neuen Selbständigen und Ein-Personen-Unternehmen, die es gibt. „Freelancer“ ist nicht mehr länger automatisch gleichzusetzen mit „arbeitslos“. Und der Begriff EPU wird schon ewig nicht mehr mit lustig aussehenden Laufvögeln assoziiert. Das ist natürlich sehr fein. Vor allem für uns Freelancer. Als selbständige Texterin ist es mir außerdem immer ein Anliegen, meine bei der Gewerblichen Wirtschaft – äääähhhh! – ich meine natürlich, meine bei der SVS versicherten „Brüder*Schwestern“ ein wenig zu motivieren. Denn ja, manche Vorurteile sind tatsächlich reale Vorteile für uns Selbständigen.

Und damit die große Mehrheit an Angestellten und Arbeiter*innen trotzdem nicht mit leerem Geschenkesack heimgehen muss, habe ich mir außerdem ein paar Nachteile der Freelancerei überlegt. Auch, wenn es mir nicht leicht gefallen ist. Aber letzten Endes sollen sich doch bitte wirklich alle wohlfühlen. Und behütet in der Sicherheit, die es sowieso gar nicht gibt – weder angestellt, noch selbständig. Sicher-was?

Happiness for everyone! Super. So. Das Gute zuerst: Hier also meine Argumente, …

… warum es 20 x genial ist, ein EPU / Einzelunternehmer*innen-Freelancer zu sein:

  1. Sie teilen sich Ihre Zeit frei ein. Wenn Sie denken, es ist lustig, von Mitternacht bis 6 Uhr zu ruacheln und dann von 8:30 bis 16 Uhr gleich wieder, um Ihre Deadline zu halten – dann ist das vollkommen Ihr Kaffee. Niemand wird Sie deshalb tadeln.
  2. Sie bestimmen Ihren Arbeitszweck und Ihre beruflichen Tätigkeiten (hoffentlich) selbst.
  3. Sie suchen sich aus, mit welchen und für welche Menschen Sie zusammenarbeiten und arbeiten. (Note: Bitte suchen Sie sich wertschätzende, wunderbare, weitdenkende und im allerbesten Fall auch noch witzige Menschen aus. Das macht diese ganze Selbständigen-Sache einfach netter.)
  4. Sie sparen sich das Geld für Weihnachtsfeiern und Team-Sammelgeschenke. Und können es dafür bei Kreativ-Meetings mit anderen Selbständigen in der coolen Spelunke Ihres Vertrauens auf den Putz hauen. Grandios!
  5. Sie können Ihre Einnahmen selbst steuern und Ihre Ausgaben absetzen – wenn Sie es können.
  6. Sie haben die Möglichkeit, im Home Office mehrere fette Fliegen mit nur einer Klappe zu schlagen, sprich: Geschirrspüler und Waschmaschine anwerfen und parallel zusätzlich geldwerte Arbeit leisten.
  7. Sie verdienen Ihr Geld mit dem, was Sie lieben. (Note: Sollten Sie auf Honorarnote z.B. Kugelschreiber zusammenbauen und es hassen, überdenken Sie bitte Ihr gewähltes Gewerbe. Nachdem ich mir über die letzten Jahre unverhofft einen Namen als gute Motivatorin für angehende Selbständige gemacht habe, können Sie mich auch gerne dazu kontaktieren. Ich liebe es, Menschen zur Entfaltung Ihrer Talente zu inspirieren. Einfach so.)
  8. Sie können sich ein buntes und spannendes Kund*innen-Feld erschaffen – und laufend neue Inspirationen aus verschiedensten Branchen, Szenen und Denkweisen genießen.
  9. Sie können in Ihrem Home Office tragen, was immer Sie wollen. Es muss ja nicht immer der klassische Pyjama sein, über den alle Schmäh führen. (Selbständige sind nämlich sehr wohl in der Lage, sich ab und zu auch mal im Home Office lange Hosen anzuziehen. Sie wollen es halt nur oft nicht. So what?)
  10. Sie müssen nicht im „Mahlzeit“-Chor gemeinsam mit anderen Personen zu einer bestimmten Zeit essengehen – und sich gezwungen über Schulden, Politik und Kinderkrankheiten unterhalten, während Sie Zeug zwischen den Zähnen haben.
  11. Sie dürfen in Ihrem Home Office absolut alles: barfuß sein, den Schreibtisch seinem Chaos überlassen, Spaghetti Carbonara essen und sogar Wein trinken, wenn Ihnen danach ist.
  12. Sie können Ihre Tätigkeit jederzeit unterbrechen, wenn Ihr geliebtes Kind Sie braucht. Oder Ihre Großmutter. Oder Ihr Mops.
  13. Sie haben das Recht, Ihren Arbeitsplatz so kitschig zu gestalten, dass Penelope Garcia neidisch werden würde – und kein Mensch würde Sie jemals auslachen. Weil es – naja. Auch niemand sieht.
  14. Sie können Treffen mit Kooperationspartner*innen und Auftraggeber*innen an die schönsten Orte der Welt verlegen: ins Waldviertel, auf Ihre Terrasse, in die Wachau oder in Ihr urbanes Wiener Lieblingscafé. Und haben dabei auch noch den Vorteil von frischer Luft, tollem Essen und/oder inspirierenden Landschaften.
  15. Sie müssen niemanden fragen, wenn Sie ein paar Tage – oder Wochen – frei brauchen. Sie nehmen sich einfach die Frei-heit heraus.
  16. Sie können zu echt coolen Netzwerk-Events gehen, wo es Sekt gibt und Plunder und Mädchen, die aus Torten springen und all diese Sachen, und das können Sie dann – wenn Sie es können – als Weiterbildungsmaßnahme abschreiben, bitte.
  17. Sie dürfen während Ihrer Arbeit jederzeit Ihre Lieblingsmusik hören.
  18. Sie müssen keine Stechuhr wischen. (Außer natürlich, Sie stehen persönlich drauf. Mögen Sie eigentlich auch Bondage?)
  19. Sie müssen sich keine Minute Ihres Lebens mit Vorgesetzten und/oder Kolleg*innen befassen. In keinster Weise. Nie. Dafür arbeiten Sie auf Augenhöhe für wertschätzende Auftraggeber*innen. (Vorausgesetzt, Sie beherzigen Punkt 3, bitte. Der ist wichtig.)
  20. Sie fühlen sich besonders, weil Sie eine Metro-Card haben.
katze©Pixabay-Pexels
Für Selbständige überwiegen in Österreich die Vorteile. Meiner Meinung nach. Aber was weiß ich denn schon? Ich hab ja auch immer noch meinen Pyjama an, obwohl es von den Nachbar*innen her bereits exzellent nach Mittagessen riecht.©Pixabay-Pexels

Mah. Das war schön. Mein Artikel erinnert mich gerade selbst wieder daran, warum mein Arbeitsmodell so, so, so genial ist. Aber da war ja noch etwas. Etwas Essentielles. Ja: Die Nachteile der Selbständigkeit. Nun gut. Versprochen ist versprochen. So here we go.

Die 8 Nachteile der Selbständigkeit (Ein-Personen-Unternehmen / Einzelunternehmer*innen)

  1. Sie teilen sich Ihre Zeit frei ein. Wenn Sie denken, es ist lustig, von Mitternacht bis 6 Uhr zu ruacheln und dann von 8:30 bis 16 Uhr gleich wieder, um Ihre Deadline zu halten – dann ist das vollkommen Ihr Kaffee. Niemand wird Ihre Tränen sehen, Ihr Pfoti halten oder Sie in sonst einer Art bedauern und unterstützen. Deal with it. (Idiot.)
  2. Sie erleben kein Wichteln, keinen kollektiven Adventmarkt-Besuch und keine Weihnachtsfeier. Denn nur sehr, sehr selten werden Sie als Externe*r dazu eingeladen. Wenn Sie in diese Richtung irgendwie emotional sind, suchen Sie sich am besten einen neuen Weiterbildungskurs oder eine andere Selbsthilfegruppe. Oder Schnaps und einen guten YouTube-Channel.
  3. Bezüglich Ihrer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Wenn Sie sich mit Buchhaltung und Steuern nicht blendend oder zumindest gut auskennen, sollten Sie sich professionelle Unterstützung für Ihre Einkommenssteuer holen. Die Investition gerade auf diesem Gebiet rechnet sich versprochen doppelt und dreifach bis hin zu zehnfach. Nur so als Tipp. Von Freelancer zu Freelancer. Im Guten.
  4. Sie müssen sich ab und zu von Nachbar*innen und sogar guten Bekannten Sachen anhören wie: „Was, du arbeitest? Meine Güte, ich hatte ja keine Ahnung.“
  5. Ab und zu könnte es notwendig sein, dass Sie sich Ihren morgendlichen (oder, je nach Branche und seien wir doch einfach ehrlich: abendlichen) Weg ins hochprofessionelle Home Office durch ein Minenfeld aus Lego-Fallen, überholten Moodboards aus Ihren euphorischen Episoden und/oder Katzen-Spielzeug bahnen müssen. Sad but true. Ziehen Sie halt wenigstens Schlapfen an. Sie verdammter Hippie.
  6. Sie müssen sich von den System-Hängematten „Bezahlter Urlaub“, „Zeitausgleich“, „Bezahlter Krankenstand“ sowie „Arbeitslose“ verabschieden. Und das, tja. Für immer.
  7. Sie haben sich eventuell besonders gefühlt, weil Sie eine Metro-Card haben. Und irgendwann merken Sie, dass eigentlich fast jede*r eine Metro-Card hat. Das ist natürlich bitter.
  8. Noch bitterer: Sie werden relativ schnell feststellen, dass es nicht die tollste Idee Ihres Lebens war, vor Ihrem neuen Macbook Carbonara-Nudeln zu essen. Und am bittersten: Sie werden es ziemlich sicher trotzdem wieder tun.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Ich freue mich jederzeit über Ihre Nachricht, solange sie freundlich ist. Genauso wie über eine Vernetzung über meine Facebook Site, solange Sie kein Roboter sind. Was, Sie sind einer? Wie cool, bitte?!

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