Krisenfest?

Ich musste diesen Beitrag mehrmals überarbeiten. Zuerst habe ich nämlich geschwanert und von Corona-Dingen, -Veränderungen, -Ängsten und -Wünschen erzählt, die gerade sowieso schon tausendfach im Internet grassieren. Irgendwann plötzlich der erste angewiderte Geistesblitz: „Wer zur Hölle will das denn lesen? Niemand!“ Dann der zweite, noch angewidertere: „Und wer zur Hölle will das eigentlich schreiben? Ich nicht!“ Und dann wurde wieder gelöscht, gelöscht, gelöscht.

Wieder ein Tag vorbei, zwei Tage vorbei, drei Wochen vorbei. Wieder ein Versuch, einen simplen Blogpost zu erstellen. Wieder nur Schrott, den ich über die Tastatur an den Bildschirm schicke. Also erneut weg damit. Rumtigern im Zuhause, das auch zurzeit noch größtenteils meine Welt ist (und zum Glück wenigstens eine schöne), die ich mir mit meinen beiden Lieben teile. Und dann endlich die Erkenntnis: Das einzige, was ich an eher Sinnvollem zur Krise bloggend beisteuern könnte, sind meine ganz persönlichen Strategien, wie ich aktuell „trotz allem und gerade deshalb“ am Ball bleibe. Privat muss ich das als Mutter sowieso – unsere Vierjährige ist super, und dabei super aktiv und abenteuerlich. Ohne Kindergarten und ihre Freund*innen sowie Großeltern waren und sind wir als Eltern natürlich mehr (Stunden und Ebenen) gefragt als sonst. Und beruflich?

Wille versus Virus: Meine Überlebensstrategien als selbständige Texterin in der Corona-Krise

Schritt 1: Andere Arbeitszeiten
Für mich als Mutter war der drastische „Kinderbetreuungsentzug“ um Mitte März die erste und dabei auch schärfste Maßnahme. Eltern wissen, dass alles Berufliche und auch Private mitdranhängt. (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.) Ich habe also meine Arbeitszeit wieder – mit „wieder“ meine ich „wie zu Prä-Kindergarten-Zeiten“ auf nachts sowie in jene Stunden verlegt, in denen mein (Vollzeit in Anstellung arbeitender) Partner daheim war. Ansonsten haben wir versucht, unser Kind zu trösten und jede Menge mit ihm zu spielen. Es liebt den Kindergarten nämlich.

Schritt 2: Rückzug im Web
Nachdem ich rund drei Wochen nach dem Start der Corona-Maßnahmen gemerkt habe, dass ich ein wahrer Facebook und Webnews Junkie wurde bzw. mich von den vielen unterschiedlichst grassierenden Meinungen/Jokes/Memes/etc. zunehmend mitreißen ließ, habe ich meinen Facebook Account deaktiviert (nicht gelöscht! Gott bewahre…), mich von einigen der von mir abonnierten Newsletter abgemeldet und außerdem Bekannte blockiert, die mich – und eine Schar anderer Hilfloser – via whatsapp und E-Mail mit ungebetenen Massenaussendungen bombardiert haben. Bis heute bin ich dabei geblieben. Das waren meine ganz persönlichen, dringend nötigen Social Distancing-Maßnahmen, ohne die ich wahrscheinlich spätestens Mitte April schreiend an irgendwelche Wände gelaufen wäre.

Schritt 3: Gute Kontakte pflegen und/oder wiederbeleben
Ich hatte und habe, solange ich es mir aussuchen kann, nur mit ein paar wenigen Menschen (Freund*innen, Bekannte, Familienangehöre, Auftraggeber*innen) Kontakt, und weiß diese Kontakte jetzt aber auch sehr viel mehr zu schätzen als zuvor. Ja, das muss ich ehrlich zugeben.

Schritt 4: Proaktives Sichtbarmachen
Beruflich habe ich mich ganz aktiv sichtbar gemacht – mittels persönlicher Nachrichten an meine Bestandskund*innen, sofern sie sich in der Zeit ab dem Maßnahmen-Start – zu meiner großen Freude – nicht eh selbst bei mir gemeldet haben. Der Sinn dahinter war der, zu zeigen, dass ich auch ohne Kinderbetreuung und als Diabetikerin – bitteschön – voll da und ja, auch gesund bin.

Schritt 5: Kreative Nutzung beruflicher Leerläufe
Ich habe ein ganz wunderbares Buch zur Welt gebracht und Anfang Mai via booksondemand veröffentlicht.

Schritt 6: Berufliche und private Weiterbildung
Wenn plötzlich alle privaten Treffen, halbprivaten Coachings und beruflich relevanten Kurse wegfallen – bleiben zum einen Bücher und zum anderen das Internet. Ich habe Spannendes rund um Onlinemarketing, Schreiben und Selbstverwirklichung ausschließlich online und via Büchern rezipiert. Und auf jeden Fall eine Menge dazugelernt. Zum Beispiel, dass mein aktuelles Content Management System echt Scheiße ist. Das gehört mal optimiert. (Morgen.)

Schritt 7: Nicht durchdrehen
Hier kommen meine Lieblinge punkto Entspannung und „Runterkommen“: Entspannungsübungen zum Hören (von Fantasiereisen bis zur Selbstheilung) und Yi-Yoga mit Manuela.

Schritt 8: Erledigung von dem, was sonst immer liegenbleibt
Ja, tatsächlich. Das Anlegen und schließlich auch Abhaken einer eigenen „Corona-Liste“ von Dingen, die sowieso schon länger oder sogar ewig erledigt gehört hatten, war zumindest ein guter Zeitvertreib, wenn sich bei aller Liebe doch mal die Decke Richtung Schädel neigte. Was für Dinge? Ach. Vom Reparieren diverser stotternder Spielzeuge unseres Töchterchens, dem Nähen eines (mit Verlaub) saucoolen Goa-Röckchens (das ich – mit Verlaub – sicher niemals tragen werde) oder dem Ausmisten des Kellers bis hin zu mehreren lange geplanten Überraschungspaketen für liebe Menschen, herrlichen Buchhaltungsarbeiten (jucheee) oder dem Kochen aufwändiger Rezepte ging das bei mir. Äh, geht. Geht. Ich bin noch dran.

Und Sie? Sind Sie auch noch dran?

Nun, was immer Sie tun: Bleiben Sie gesund! Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Und apropos Herz – kennen Sie eigentlich schon mein Buch, auf das ich in Schritt 5 so direkt hingewiesen habe? Was denn, nein? Na dann: Hier möchte ich Sie nur zu gerne mit ihm bekanntmachen. Es ist nämlich ein wirklich gutes Buch. Mit ganz viel Herz.

 

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